Geschichte, die unter die Haut geht.
Anknüpfend an die Unterrichtseinheiten zu den Themen politische Bildung, Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg besichtigten die Schüler*innen der A + W Jugendwerkstätten am 21.05.2026 die Gedenkstätte Augustaschacht in Hasbergen.
Während der NS-Zeit diente das Gebäude als Arbeitserziehungslager, in dem etwa 2000 Jugendliche und junge Männer aus über 17 Ländern inhaftiert waren. Sie mussten in Deutschland unter schwersten Bedingungen Zwangsarbeit verrichten. Im Fokus der Führung standen die menschenunwürdige Behandlung der Gefangenen, die katastrophalen Haftbedingungen sowie der Straf- und Abschreckungscharakter des Lagers. Es ist still im großen, kargen Raum des ehemaligen Pumpenhauses in Hasbergen-Ohrbeck. Wo heute die Gedenkstätte Augustaschacht an die Verbrechen des Nationalsozialismus erinnert, herrschte vor gut 80 Jahren die nackte Angst.
Die Schüler*innen erhielten während der Führung die Möglichkeit, Geschichte vor Ort zu erleben und die Vergangenheit mit Gegenwart und Zukunft zu verknüpfen. Gleichzeitig konnten zentrale Werte wie Empathie und soziales Verantwortungsbewusstsein gestärkt werden.
Leyla und Yannick: „Als uns Katharina erzählte, dass die Zwangsarbeiter in dem AZ so alt waren wie wir (15-22) hat uns das erschreckt. Jugendliche wie wir es sind, waren damals Zwangsarbeiter, wurden für 8 Wochen im Arbeitserziehungslager inhaftiert, bekamen kaum essen, wurden krank und erlebten Gewalt. Von 2000 Männern, die dort waren, starben 100 Menschen! Wenn man die nackten Zahlen im Lehrbuch liest, bleibt das oft abstrakt. Hier ist es so nah. Gut, dass es das nicht mehr gibt!“
Im Anschluss setzten sich die Schüler*innen vertieft mit der Gedenkstätte Augustaschacht und den individuellen Schicksalen der jungen Männer auseinander. In Kleingruppen erstellten sie Präsentationen für ihre Mitschüler*innen, lernten die Menschenrechte kennen und stellten Bezüge zu aktuellen politischen Entwicklungen weltweit her.
Sabah: „In meinem Heimatland ist Krieg und da passieren schlimme Dinge, aber wie konnte man kranke Menschen sich selbst überlassen und sie zum Sterben auf den Dachboden unterbringen. Sowas darf nie wieder passieren!“
Die Besichtigung hat bei vielen TN eine tiefere Betroffenheit erzeugt als der Theorieunterricht. Die Vergangenheit wurde für die Jugendlichen nochmal greifbarer. Julia Küwen A+W Mitarbeiterin: „Politische Bildung an einem solchen Lernort zeigt den Jugendlichen, wie zerbrechlich Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte sind. Es geht nicht nur darum, zu lernen, was damals war. Es geht darum zu verstehen, wie Ausgrenzung beginnt – und was das mit unserem heutigen Alltag zu tun hat.“
Am Ende des Tages wird in der Abschlussrunde heftig diskutiert. Der Bezug zur Gegenwart ist schnell hergestellt: Fake News, Hass im Netz, die Abwertung von Minderheiten.
Merle: „Der Besuch zeigt mir, dass Demokratie nichts ist, das einfach so da ist. Man muss aktiv dafür einstehen. Wir dürfen nicht wegschauen.“
Wenn die Jugendlichen den Augustaschacht an diesem Nachmittag verlassen, nehmen sie nicht nur historisches Wissen mit nach Hause, sondern ein geschärftes Bewusstsein dafür, wie wichtig Zivilcourage in der heutigen Gesellschaft ist.
Wir bedanken uns herzlich beim A + W Förderverein, der uns bei dieser Aktion finanziell unterstützt hat. DANKE